(english translation below)
„No Shame“ – zensierte Version, damit meine Facebook Seite nicht direkt wieder gesperrt wird….

Ich muss euch einen abgefahrenen Traum erzählen, den ich letzte Nacht hatte:
Irgendein Gericht hatte mich zur Todesstrafe verurteilt. Das verrückte ist, dass ich nicht einmal mehr wusste was ich verbrochen hatte. Mir war einzig klar dass ich nicht anders gekonnte hatte als eben diese Schandtat zu tun. Offensichtlich war mein Verbrechen so schlimm, dass sogar Freunde mich nicht mehr ansahen.
Am Tag der Vollstreckung des Urteils schrieb ich eine Nachricht in die sozialen Medien „Heute fahre ich zu meiner Hinrichtung.“
Niemand war bestürzt, ein stilles Einvernehmen der Allgemeinheit dröhnte so laut, dass es mir Kopfschmerzen bereitete.
Die Hinrichtung war sehr grotesk. Kurz gesagt: Es waren viele Leute anwesend, man versuchte mich mit verschiedenen Methoden umzubringen, aber ich starb einfach nicht. Ich überlebte beinahe unversehrt, nur eine leichte Benommenheit blieb zurück.
Mir wurde nachher klar, dass die Schuld die ich im Traum tatsächlich empfand einen realen Hintergrund hat. Die Scham dafür eine Frau zu sein, oder eher dafür sich auch als solche zu zeigen und auszudrücken.
Ich wuchs damit auf, dass eine Frau nie öffentlich über spirituelle Dinge sprechen dürfe. Nur der Mann habe dieses Vorrecht. Nur der Mann habe den richtigen Draht zu Gott.
Die Frau sollte sich verstecke, ihre Stimme und natürlich ihren Körper.
Ich weiß heute dass das nur Ausdruck der Angst der Männer vor einer weiblichen Seite der Spiritualität und der eigenen Schwäche war. Darf eine Frau mit ihrem ganzen Sein Gott nahekommen? Ist das ein Skandal, eine Schandtat? Für mich persönlich ist weibliche Spiritualität sehr viel körperbewusster als ihre männliche Entsprechung. Es gibt keinen Grund dafür das abzulehnen, daher wird es Zeit die alte Scham abzulegen.
Vor einiger Zeit war ich bei einer Veranstaltung wo ich mich kurz vorstellen durfte. Ich dachte im Vorfeld darüber nach wie ich mein aktuelles künstlerisches Thema zusammenfassen kann. Ich nannte es „Intimität in der Begegnung mit Mensch und Gott“.
Mir ist bewusst dass ich diese Intimität nicht leben kann wenn ich meinen Körper nicht mit einbeziehe und damit auch die darin liegende Sexualität. No shame!

„No Shame“ – censored version, so that my Facebook page is not directly blocked again.

I have to tell you a weird dream I had last night:
Some court had sentenced me to death. The crazy thing is that I didn’t even know what I had done anymore. The only thing that was clear to me was that I couldn’t have done anything else but this very outrage. Obviously my crime was so bad that even friends didn’t look at me anymore.
On the day the sentence was carried out I wrote a message in the social media „Today I’m going to my execution“.
No one was dismayed, a quiet public understanding booming so loudly that it gave me a headache.
The execution was very grotesque. In short, there were many people present, people tried to kill me with different methods, but I just didn’t die. I survived almost unscathed, only a slight dizziness remained.
I realized afterwards that the guilt I actually felt in the dream had a real background. The shame of being a woman, or rather of showing oneself and expressing oneself as such.
I grew up with the idea that a woman should never speak publicly about spiritual things. Only the man has this privilege. Only the man has the right connection to God.
The woman should hide, her voice and of course her body.
I know today that this was only an expression of men’s fear of a female side of spirituality and their own weakness. Can a woman come close to God with all her being? Is this a scandal, an outrage? For me personally, female spirituality is much more body-conscious than its male counterpart. There is no reason to refuse, so it is time to get rid of the old shame.
Some time ago I was at an event where I was allowed to introduce myself. I thought in advance about how I could summarize my current artistic theme. I called it „intimacy in the encounter with man and God“.
I am aware that I cannot live this intimacy if I do not include my body and thus also the sexuality in it. No shame!

14. Juni 2019